18. Oktober 2017

Basics für den Herbst

Hallo ihr Lieben!

Es gibt ja so Gruppierungen, die sind nur zu dritt vollkommen komplett. Harry und Ron ohne Hermine zum Beispiel wäre seltsam. Zu Kartoffelpürree und Spinat gehört ein Spiegelei. Zwei Fragezeichen wären seltsam. Thomas, Annika und natürlich Pippi. 
Was das mit diesem Beitrag zu tun hat? Ganz einfach. Heute zeige ich euch gleich drei Teile, die einzeln für sich eher langweilig sind, ich habe nicht so viel dazu zu erzählen und deshalb lohnte sich ein einzelner Post für jedes Teil nicht. Zwei davon waren schon lange fertig, seit dem Frühling um genau zu sein, aber irgendetwas fehlte. Nur ein paar Tage ist es her, da schlüpfte das fehlende Stück unter der Nähmaschine hervor, und das Trio war komplett. Und nun ergibt sich auch ein toller Beitrag: Drei Basic Teile für den Herbst zeige ich euch heute. 


Basic Nummer eins: Ein Shirt nach dem Schnitt Agnes von Tilly and the Buttons. Die Schnitte dieses Labels gefallen mir in der Mehrheit ziemlich gut -  zweimal Latzkleid Cleo (1, 2), dreimal Kleid Bettine (1, 2, 3) und einmal Kleid Rosa habe ich schon genäht und trage alles ziemlich häufig. Gegen diese doch eher auffälligen Stücke ist so ein ein Longsleeve ja eher langweilig, besonders in einem unifarbenen Stoff. Ich bin trotzdem deutlich erfreuter darüber als über ein Kleid, denn der Schnitt passt wirklich gut, ich mag die Form des Ausschnittes total und habe hier quasi einen Grundschnitt für engere Shirts, ob kurz- oder langärmlig, das kann man ja anpassen. 


Genäht habe ich Größe 4, Richtung meiner doch etwas breiteren Hüfte habe ich dann die Seitennähte noch ein wenig mehr auslaufen lassen, eher so Richtung Größe 5. Weil es sich zuerst mal um ein Probestück handeln sollte, habe ich einen kleinen Stoff aus dem Regal gezogen, der ursprünglich ein Top werden sollte. Ein Jersey von Alles für Selbermacher, der von außen ein wenig Struktur hat und dabei sehr weich anzufassen ist. Den habe ich im Juni 2016 bestellt, online ist er nicht mehr zu finden.  Für lange Ärmel reichte es nicht, aber mit den 3/4-Ärmeln bin ich sehr zufrieden. Hier habe ich euch das Shirt übrigens schonmal klammheimlich untergejubelt. 
Damit das Shirt lang genug ist, habe ich in der Länge übrigens noch 3cm hinzugegeben, dazu ist auch eine Verlängerungslinie im Schnitt vorhanden.



Und wenn etwas gut ist, dann wiederholt man es ja gerne, deshalb war ein richtiges Longsleeve dann auch recht schnell zugeschnitten. Diesmal aus einem gestreiften Jersey vom Stoffladen hier vor Ort. Streifen gehen schließlich immer, und ich besitze sonst kein gestreiftes Shirt - eindeutig eine Lücke im Schrank. 


Die Ärmel habe ich um 5cm verlängert, Stichwort Affenarme. Interessanterweise gab es hier im Gegensatz zu den Schnittteilen vom Körper keine entsprechende Linie, die habe ich dann einfach selbst eingezeichnet. 
Ich bin ziemlich stolz, dass die Streifen an den Seitennähten so halbwegs gerade aufeinandertreffen. Da ich alles mit einer normalen Nähmaschine nähe und bei Jersey meistens den elastischen Geradstich nehme, der 3x vor und 2x zurück näht, verschieben sich die Stofflagen meistens etwas. Hier ist es im erträglichen Maß geblieben. 


Besonders cool finde ich ja den Effekt, der sich am Halsausschnitt durch den anderen Verlauf der Streifen ergibt. Ich meine, dass es in der Anleitung auch so war und ich das unbedingt nachmachen wollte. Hat geklappt, würde ich sagen. A pro pos Anleitung: Für halbwegs geübte Näher/innen ist sie vermutlich unnötig, denn ein Shirt ist ein Shirt ist ein Shirt und wird ja eigentlich immer auf die gleich Art und Weise genäht. Trotzdem: Die Anleitung ist sehr schön bebildert, da sind die Farben immer schon sehr hübsch anzusehen. Auch Nähanfänger/innen sollten durch die detaillierten Schritte mit dem Schnitt zurecht kommen, sofern sie denn des Englischen halbwegs mächtig sind, denn auf deutsch gibt es sie nicht. 


Kommen wir nun zu dem Stück, was das Trio komplettiert hat und mir den notwendigen Anstoß zu diesem Beitrag gab: Top Mara aus der La Maison Victor 5/17. Im vorletzten Update erzählte ich von den Plänen, dieses Shirt zu nähen, und hier ist es auch schon. Existenzgrund: Diverse Strickpullover in Kombination mit meiner Mimimi-Halshaut. Die mag nämlich weder Sockenwolle noch Mohair oder andere Garne, die nicht 1a glatt sind. Weil ich aber keine Lust habe nur noch Merino oder Seide zu verstricken, habe ich das versucht zu ignorieren und mir eingeredet, ich würde mich schon noch daran gewöhnen. Denkste: am Ende des Tages will ich mir manche Pullover gerne vom Leib reißen. Weil das Unsinn ist, ich aber die Stücke nicht weggeben will oder aufribbeln oder sonst etwas, stand schon länger die Idee eines Rollkragen-Tops für untendrunter im Raum meiner Gedankenwelt. 


Mit der aktuellen Ausgabe der La Maison Victor wurde die Verwirklichung eben dieser Idee dann realistisch, noch dazu hatte ich einen bisher unverplanten Jersey im Regal. Um beides miteinander zu kombinieren musste ich eine im Schnitt nicht vorhandene Teilungsnaht unter der Brust einbauen. Mit dem Resultat bin ich zufriedener als gedacht, aber perfekt ist es noch nicht. Für meinen Geschmack könnte der Kragen noch enger am Hals sein - fraglich nur, ob er dann noch über den Kopf geht? Bei den Armausschnitten habe ich auch irgendwie gepfuscht, aber die von der Anleitung vorgegebene Art und Weise der Versäuberung sah mir eindeutig ein zu häufiges Umklappen vor. Das klang, als würde da am Ende eine ganz schön dicke Wurst um die Armlöcher legen, das wollte ich nicht. 


Da man vom Top aber sowieso nur den Kragen sehen wird, ist das alles auch wirklich nicht wichtig und kann in Ruhe bei weiteren Versionen optimiert werden. Für meine halsnahen Strickpullover ist jedenfalls auf meiner Seite ganz frische Liebe entfacht und ich freue mich auf die kälteren Temperaturen. Bis dahin nähe ich dann noch ein, zwei Tops und bastel am Kragen ein wenig herum. Vielleicht noch eins in grau, oder blau?


Und wenn ich dann endlich wieder einen normalen Zopf machen kann, sieht man auch das schöne Herz im Nacken meines Pullovers



Welche Schnitte sind eure Favoriten für Basics? Näht ihr die auch so ungerne wie ich?

Verlinkt mit dem Me Made Mittwoch, wo heute gleich zwei schöne Frauen mit dem Namen Elke Kleider aus demselben Jeansstoff zeigen.


14. Oktober 2017

Update No. 10

Hallo ihr Lieben!

Meine Update-Reihe wird heute zweistellig, das ist ja fast aufregend. Zu diesem besonderen Tag bringe ich deutlich mehr fertige Teile mit, als mir selbst bewusst war. Das ist ein großer Vorteil dieser Beiträge, sie sind Booster und Realitätsabgleich für die eigene Wahrnehmung. Aus "In den letzten zwei Wochen habe ich nichts geschafft!" wird dann nämlich ganz flott "Oh, da waren ja die Socken, und das Oberteil ... und die Hose auch noch? Mensch, toll!" und schon lehnt man sich entspannt zurück. Das muss ich mir nämlich immer wieder bewusst machen, dass ich nicht für den Schrank, den Blog oder die Kommentare nähe und stricke, sondern für mich, weil es mir Spaß macht und entspannt. Und damit das so bleibt, muss ich mir diese Gedanken hin und wieder in den Kopf holen. 




Neu im Schrank

Dann legen wir mal los, es ist ziemlich viel fertig geworden in den letzten zwei Wochen, das liegt hauptsächlich daran, dass es sich um kleine Größen oder von mir schonmal genähte Stücke handelt, die dann ja deutlich schneller gehen. 


Passend zum Socktober war ich an der Sockenfront fleißig. Gegensätzlicher können die Socken auf dem Bild gar nicht sein, zweimal die kleinste Größe, und dann ein Paar in 48. Das zeige ich euch nochmal genauer, aber erst nach Weihnachten. 


Schon länger lagen die schwarzen Teile dieser kleinen Kollektion zugeschnitten herum, da hatte mich wohl mal wieder die Disziplin gepackt und ich habe direkt beim Zuschnitt eines Shirts für mich die Reste zu passenden Babschnittteilen verarbeitet. Die Bündchen etc. fehlten aber noch, und weil ich so angefangenes Zeug nur schlecht aushalten kann, habe ich einen weiteren Jerseyrest gegriffen und somit in kurzer Zeit vier neue Teile für die Geschenkekiste gezaubert. Für die beiden Mützen hoffe ich auf Zwillinge im Bekanntenkreis, die wären dafür ja prädestiniert. 


Für mich sind auch zwei neue Teile entstanden, die ich beide im letzten Update auch schon vorgestellt habe. Der Rock Holly aus einem Rest Jeansstoff ist fertig und wird eventuell zu einem neuen heiß geliebten Basic Teil in meinem Schrank. Die finale Anprobe habe ich irgendwie nicht gewagt. Ohne Bund saß er schon ganz gut, danach ist er dann aber direkt in den Schrank gewandert. Ich kann es gar nicht genau erklären, aber fast immer ziehe ich die Sachen nach der Fertigstellung nicht sofort an. Da spielt ein bisschen Angst mit, dass es doch nicht gut geworden sein könnte. 
Genauso ist es beim Top Mara: Ohne Armbündchen hatte ich es einmal angezogen um die Saumlänge zu überprüfen. Da konnte ich aber schon sehen, dass der Rollkragen im Nacken ein wenig absteht. Mal schauen, wie das ist wenn es wie geplant unter einem Pullover angezogen ist, ihr bekommt da ja auch noch Bilder. 



Auf den Nadeln


Der Pullover ist am letzten Wochenende fleißig gewachsen. Den Saum unten habe ich nur grob angenäht, weil er später tatsächlich umgeklappt wird und ich eine ordentliche Kante zum Messen brauchte. Auf dem Bild sieht es nicht so aus, aber in echt gefällt mir die Optik mit diesem Faden ziemlich gut, ich behalte das mal im Hinterkopf. Der Pullover muss nur noch 3 Zentimeter in die Höhe wachsen, dann geht es an die Ärmel. Ich hoffe, dass damit etwas mehr Motivation aufkommt, denn dunkelblau und glatt rechts ist aktuell ein wenig ... ernüchternd. 


Deshalb musste auch was neues, kleines und buntes auf die Nadeln. Ich habe mir die von Sophia übernommenen Wollreste geschnappt und eine Mütze angestrickt, die nachher perfekt zu meinem roten Wintermantel passen wird, was ich super finde. Alle bisher gestrickten roten Mützen habe ich nämlich entsorgt weil der Farbton nicht passte, hier müsste es aber ziemlich gut hinkommen. Falls nicht liegt ja noch das graue Bündchen und ein Schal zwischen Mantel und Mütz. Die nennt sich übrigens Herringbone Hat und ist gratis bei Ravelry zum Download bereit.


Mein Ramble Shawl ist endlich im interessanten Teil angekommen: Stolz darf ich verkünden, die Julia kann jetzt auch Brioche. Das war wirklich nicht leicht und hat mir am Anfang ein paar Knoten ins Gehirn gebaut, aber als das Prinzip klar war, lief es. Dadurch, dass jede Reihe zweimal gestrickt wird und ich mich schon noch konzentrieren muss, was spätabendliches Stricken oder Serienbegleitendes Stricken ausschließt, komme ich hier aber nur ganz langsam voran. Dafür macht es tatsächlich Spaß, und innerlich kichere ich immer ein wenig irre vor mich hin, wenn mein Gehirn die Abkürzungen innerlich in etwas wie: "Brjokkenbrok, brrrk, sl-YO!, brsl" umformuliert und ich darum bete, dies niemals laut vor mich hinzumurmeln. Könnte leicht irre wirken. Oder, als ob ich mit einer unbekannten Spezies kommuniziere. 

Aktuelle Nähprojekte habe ich nicht zu verzeichnen. Letzte Nacht habe ich eine kleine große Bestellung gemacht, also wird es in dieser Kategorie beim nächsten Update einiges zu zeigen geben, denn ich habe viele tolle Sachen geplant. Bis der Stoff da ist werde ich mich mit Babykleidung beschäftigen, genug Stoffreste sind ja vorhanden. Wenn ich Glück habe ist der Plot der Port Trousers von Pauline Alice aber auch schon Anfang der Woche in meinem Briefkasten, dafür habe ich nämlich noch einen schönen marineblauen Baumwollköper zuhause, das hätte dann Vorrang. Ihr werdet es sehen :)


Und jetzt seid ihr dran, erzählt, woran arbeitet ihr? Ich bin doch so neugierig. 


Verlinkt mit Maschenfein, Fadenwechsel.




11. Oktober 2017

Kurzjacke Carol mit Spitzenfutter - La Maison Victor

Hallo ihr Lieben!


Zum heutigen Me Made Mittwoch begrüße ich euch wieder ganz herzlich auf meiner Seite und zeige euch ein ganz besonderes Projekt, das mir in seiner kurzen Existenzzeit schon sehr ans Herz gewachsen ist: Die Jacke Carol aus der La Maison Victor 5/17, eine Kurzjacke, die im Heft aus Wollwalk genäht ist, bei mir aber zu einer Übergangsjacke mutierte. Passenderweise zeigt auch Claudia auf dem Me Made Mittwoch Blog eine Jacke.


 Projektfindung und Inspiration

Für die Entstehung dieser Jacke haben mehrere Faktoren zusammengewirkt. Gehen wir hier mal chronologisch vor: Im Sommer kam eine Kollegin mit einer Jacke zur Arbeit, die sofort mein Interesse weckte. Das Jackenfutter der eher dünnen Jacke bestand aus Spitze. Was für eine spannende Idee! Ich machte ein Foto und im Hinterkopf entstanden diverse Versionen einer solchen Jacke für mich, zunächst eine Jeansjacke mit Spitzenfutter, später dann doch lieber eine Khaki-Farbene, denn eine Jeansjacke besitze ich schon. Weil aber keine dringende Not nach einer Jacke bestand, blieb die Idee an ihrer gemütlichen Stelle im Hinterkopf und lauerte auf eine bessere Gelegenheit. Und die kam dann mit der aktuellen Ausgabe der La Maison Victor. Die Jacke Carol sprang mir sofort ins Auge, ich mochte die Konstruktion sehr. Allerdings haderte ich lange, ob das mittlerweile bestellte Material wohl zu dem Schnitt passen würde. Eine Jacke aus dickem Wollwalk mal eben aus recht dünnem Köper nähen? Riskant. Aber: Manchmal lohnt es sich, ein Risiko einzugehen. Ich bestellte also auch noch Reißverschluss, Kordel und Kordelenden und begann gedanklich, ein paar Anpassungen zu machen, damit meine Jacke perfekt wird.






 Anleitung und Material

Für den Außenstoff hatte ich mich für diesen Stretchköper entschieden, die Spitze dazu passte besser als gedacht. Schlaues Ich hatte bei der ersten Bestellung nur einen halben Meter Spitze bestellt - fragt mich nicht, was ich mir dabei gedacht habe, vermutlich reichlich wenig - und ich musste mitten im Zuschnitt unterbrechen, Nachschub ordern und warten. Das war vielleicht eine Geduldsprobe! Denn dies war eines der Projekte, wo man schon zu Beginn weiß, dass es toll wird. Mir hat sogar der Zuschnitt Spaß gemacht, und das will schon was heißen. 
Um zu Vermeiden, dass ich mit jedem Ring und jeder Uhr im Ärmelfutter hängen bleibe, habe ich nur das untere Drittel aus Spitze zugeschnitten und im oberen Teil einen Futterrest verwendet, leider gibt es davon kein Bild, aber das Prinzip erklärt sich hoffentlich trotzdem. Wichtig war mir, dass ich im unteren Teil Spitze habe, um die Ärmel auch mal umkrempeln zu können. 
Die Anleitung im Heft fand ich für meine Bedürfnisse vollkommen ausreichend, ich habe aber auch schon einige Jacken genäht. Einzig bei der Konstruktion der Blende, die kein einzelnes Schnittteil ist und im Endeffekt durch Falten entsteht, gab es bei mir einen großen Knoten im Kopf. Ein wenig Stecken und Wenden hat dann aber Klarheit gebracht.


 Anpassungen

Schon vor dem Zuschnitt hatte ich einige Änderungen des Schnittes geplant. Ich wollte unbedingt einen Aufhänger einfügen, denn eine Jacke ohne macht irgendwie keinen Sinn, finde ich. Die Kapuze sollte einen Kordelzug bekommen, mit Ösen und Kordelenden in gold, was ich mir zu der Stofffarbe sehr harmonisch vorstellte. Und die doch sehr auffälligen aufgesetzten Taschen wollte ich weglassen, stattdessen Nahttaschen einbauen. Entsprechend habe ich Taschenbeutel zugeschnitten, hierzu Schnittteile von einem Rock genommen und diese leicht vergrößert. 
Dann gab es natürlich noch die mittlerweile gewohnte Längenanpassung. Ärmel und auch Körper haben 7cm zusätzlicher Länge spendiert bekommen. Dazu habe ich die Schnittteile knapp unterhalb der Achsel getrennt - bei einer taillierten Jacke hätte ich die Taillenlinie genommen, diese ist aber kastig und geht gerade herunter, also kann man sich die Stelle quasi aussuchen. Mit der so entstandenen Länge bin ich total zufrieden. 
Während des Nähens stellte ich dann fest, dass die Spitze sich stark verzog und mit jeder neuen Naht und Bewegung ausleierte. Das Jackenfutter aber besteht aus genau den gleichen Schnittteilen wie die Jacke selbst - sprich am Saum, an den Ärmeln, an der Kapuze treffen die Stoffe an den Kanten aufeinander. In meiner Vorstellung würde sich mit der Zeit die Spitze dort rausbeulen, raushängen, rumschlabbern. Schrecklich! Nach und nach sind dann Blenden entstanden, zunächst zwischen Futter und Reißverschluss, dann an der Außenkante der Kapuze und schlussendlich auch am unteren Saum. Für den Streifen zwischen Futter und Reißverschluss habe ich praktischerweise den Streifen Stoff nehmen können, der vom rechten Vorderteil abgeschnitten wird (für die Vorderteile gibt es nur ein Schnittteil, da aber nur auf einer Seite eine Blende nötig ist, wird diese im Nachgang vom anderen Teil abgeschnitten. Die Länge dieses Streifens war also genau passend, ich habe ihn längs halbiert und das Futter entsprechend eingekürzt). Bei der Kapuze habe ich ebenfalls einen durchgehenden Streifen gewählt, auch wenn die Kapuze aus drei Schnittteilen besteht hat dies gut geklappt. Und für den Saum habe ich die Schnittteile nochmal auf den Außenstoff aufgelegt und nur den schmalen unteren Teil zugeschnitten. Das war schon viel Arbeit, hat sich aber sehr gelohnt, wie ich finde. Die Ärmel habe ich ohne Blende gelassen, dort stört es mich nicht, wenn mal ein wenig Spitze herauslugt, und ich wollte den Umkrempel-Effekt von dem ich so sehr träumte nicht stören.





 Der Nähprozess

Durch die ganzen von mir geplanten Änderungen musste ich mich schon stark konzentrieren. Im Endeffekt habe ich mich grob an die Anleitung gehalten, daneben aber auch einen Post-It mit all meinen geplanten Änderungen geklebt. Sonst habe ich nämlich die Kapuze an der Jacke und der Aufhänger liegt noch immer auf dem Tisch, weil der Schritt in der Anleitung nicht drin steht. 
Auch habe ich fast alle Nähte von außen abgesteppt, der Optik wegen. Schulternähte, die Kapuzennähte, Reißverschluss etc. Dadurch sieht es gleich viel ordentlicher aus, finde ich. 
Ich habe mir für das Nähen Zeit gelassen und es wirklich genossen. Der Stoff war super zu verarbeiten, auch wenn die Spitze muckte ließ sie sich mit ein paar Kniffen gut bändigen. Meine Anpassungen gingen gut auf, da habe ich echt Glück gehabt, oft passt meine Vorstellung nämlich nicht mit der Realität zusammen. 
Leider fehlen ein paar Detailaufnahmen, die sicherlich für euch hilfreich wären, zum Beispiel von den Taschen. Diese habe ich - sehr umständlich - mit der Nahtzugabe an der Nahtzugabe des Saumes befestigt, zwischen Futter und Außenstoff, damit sie auch im vorderen Teil der Jacke bleiben. Bei manchen Kleidern habe ich nämlich Nahttaschen, die dann Richtung Rücken klappen, eher unpraktisch. Außerdem habe ich an der Seitennaht eine kleine Absteppung gesetzt an der Stelle, wo die Taschenöffnung ist, damit hier mehr Stabilität vorhanden ist. Aber irgendwie hat mir wohl der Meereswind, die fremde Umgebung und das Aufpassen auf die Tasche, die etliche Meter entfernt alleine am Strand lag, ein wenig das Gehirn vernebelt.







 Fazit

Ich wusste nicht, wie sehr ich diese Jacke brauchte - bis jetzt. Tatsächlich besitze ich nur zwei andere kurze Jacken, und diese lassen sich beide nicht bequem schließen und werden von mir eher offen getragen. Das schränkt natürlich die Tragbarkeit ein wenig ein, gerade bei Regen oder frischem Wind ist es doch unpraktisch, die Jacke nicht zumachen zu können. Mein neues Exemplar füllt damit eine große Lücke im Schrank. Auch den Farbton liebe ich sehr, ich wusste nicht, dass ich genau das noch brauche. Ebenso bin ich vom Außenstoff begeistert, er fühlt sich wirklich toll nach Jackenstoff an, ist ein ganz wenig weich von außen, fällt toll. Ich glaube es klingt raus, dass ich meine Jacke liebe. Wirklich und ehrlich. Sie hat mich nach Holland und Bremerhaven begleitet, war bei Regen, starken Sturmböen und Sonnenschein super zu tragen. Durch die lockere Form passt ein Strickpullover bequem drunter, so kann ich sie noch ein paar Tage in den Herbst hinein anziehen bevor ich sie traurig in eine Kiste packen werde. Aber was freue ich mich jetzt schon darauf, sie im Frühling auszupacken!












1. Oktober 2017

Update No. 9

Hallo ihr Lieben!

Zum heutigen Update bringe ich euch ein fertiges Kleidungsstück, drei angefangene Strickprojekte und einen Haufen Ideen sowie eine tolle Umstrukturierung meiner Nähecke mit. Auf geht's!


Neu im Schrank


Erwischt, in der Einleitung hatte ich euch eine fertige Latzhose unterschlagen. Das liegt daran, dass sie zum einen genau genommen noch nicht fertig ist, und zum anderen leider nicht tragbar. Auf Instagram habe ich meine Enttäuschung direkt geteilt: Die Träger sind viel zu kurz, was ich vielleicht hätte testen sollen. Allerdings bin ich eigentlich nur an den Beinen zu groß geraten und nicht am Oberkörper, weshalb ich damit wirklich nicht gerechnet habe. Aber gut, mein Fehler. Zum anderen ist der Schnitt für mein Gefühl sehr unvorteilhaft an meiner Hohlkreuz-Bauch-Kombination, der geht einfach zu glatt vom Schritt nach oben, sieht nicht aus. Das ist kein Weltuntergang, aber schon schade, allein schon um die Zeit und den Schnitt. Der gammelt dann jetzt auf meiner Festplatte herum, während ich weiter nach einer Latzhose suche, deren Latz eher locker ist und auf Hüfthöhe beginnt. Es handelt sich übrigens um die Turia Dungarees von Pauline Alice Patterns und der Stoff ist von Ikea. Sicherlich macht ein dünnerer Stoff nochmal ne Menge aus, trotzdem bin ich nicht so geneigt, den Schnitt nochmal zu nähen.


Zum Glück ist mein Frust direkt im Anschluss durch mein nächstes Nähprojekt besänftigt worden. Seit eine Arbeitskollegin in einer Jacke mit Spitzenfutter um die Ecke kam, hatte ich diese Idee in meinem Hinterkopf gespeichert. Stoff, Schnitt und zusätzliche Eingebungen passten irgendwie perfekt zusammen, jede Naht hat mir Freude gemacht und selbst das obligatorische Auftrennen war in Ordnung. Genauer zeige ich sie euch ganz bald, jetzt muss ich sie noch schnell ein, zwei Tage mit dickem Pulli drunter tragen, bevor es zu kalt dafür wird. Und vielleicht noch eine Version aus Wolle nähen, damit ich mich länger daran erfreuen kann ..


Auf den Nadeln


Den Schal habe ich in den letzten beiden Wochen sträflich vernachlässigt. Irgendwie hat er mich nur wenig gereizt, was vermutlich daran lag, dass ich mir nicht genau im Klaren darüber war, ob ich das neue Knäul am Rand oder mitten in der Reihe anschließe. Manchmal sind es die kleinen Dinge ... naja, gestern habe ich ihn mir dann zu Herzen genommen, das neue Knäul einfach mittendrin angefügt und zack, schon bin ich bei 200 von 221 Reihen kraus rechts. Ganz bald beginnt der Brioche-Teil und ich bin sehr gespannt darauf! Auch, wenn ich mir da sicherlich eine ruhige Stunde nehmen muss um alles zu verstehen und richtig zu machen. Die Anleitung heißt Ramble und das Garn ist Merino von Drops. 


Mein Alpaka Pullover strickt sich dagegen sehr flott, weil es einfach stumpf im Kreis geht. Das ist auch im Halbschlaf noch super zu machen. Zwei Knäule stecken schon drin, ich komme ziemlich zügig voran. Die Farbe ist in echt deutlich dunkler, aber so sieht es auch ziemlich schick aus!


Heute hat er begonnen: Der Socktober! Auf der ganzen Welt stricken im Oktober Frauen und Männer wie irre an Socken, es gibt oft Challenges oder Gewinnspiele zu dem Thema. Auch ich bin ziemlich gut ausgerüstet: die blau gestreiften Socken sind schon mehr als halb fertig, und danach kann ich entweder noch ein paar gestreifte Socken für mich stricken, ein Paar in dunkelgrün und mit Muster oder einige Babysocken. Da werde ich mich ganz von meiner eigenen Lust leiten lassen. 




Unter der Nadel



Wenn wir uns am Wochenende Brötchen aufbacken, weil wir beide lieber im Gammellook frühstücken und keiner zum Bäcker gehen mag, dann legen wir diese in ein geflochtenes Körbchen mit einer Serviette drin. Diese Serviette ist mir schon länger ein Dorn im Auge, denn obwohl sie immerhin an beiden Tagen genutzt wird, landet sie danach im Müll. Deshalb möchte ich aus diesem schönen Halbleinen Servietten für den Brötchenkorb nähen. Schon länger schaue ich bewusst, wo sich unnötiger Müll vermeiden lässt, und das hier ist so eine Stelle, an der es super einfach geht und sogar besser aussieht. 


Den Rock Holly aus der La Maison Victor habe ich schon zweimal genäht, langfristig im Kleiderschrank gebliebe ist aber nur der gestreifte Rock, zu dem bunten hatte ich einfach zu wenig Kombination. Nun möchte ich mir noch einen aus einem schwarzen Jeans-Rest nähen, ich hoffe, das reicht überhaupt. So einen schlichten Rock kann ich mir sehr gut als Basic-Teil vorstellen, für jede Jahreszeit. 


Im Moment bin ich offenbar ein bisschen der Zeitschrift verfallen: In der aktuellen Version ist mir direkt das Top Mara ins Auge gesprungen, denn für die kälteren Tage brauche ich ein, zwei solcher Oberteile mit kleinen Rollkrägen. Ich hatte schon andere Schnitte im Auge, allerdings alle für Rollkragenpullover, also mit Ärmeln. Die hätte ich dann weggelassen, denn die Shirts brauche ich für meine Wollpullover. Ich bin ja ein absolutes Mimimi was Wolle angeht, und zwei Pullover die sehr halsnah gestrickt sind, halte ich auf Dauer dort nicht aus. Dieses Top ist daher perfekt zum Drunterziehen, für ein erstes Modell habe ich einen halben Meter Jersey hier herumliegen. Da muss ich dann wohl stückeln, aber das sieht ja niemand außer mir, das passt schon. Ich hoffe, dass der Schnitt gut sitzt, dann kann ich da in die Massenproduktion gehen. 


Und sonst so?


Schon sehr lange habe ich mich an meiner Aufbewahrung von Stoffen gestört. Der Herzmann und ich haben jeder einen Schreibtisch an einer langen Wand. Er für seinen PC, ich für meine Nähmaschine. Dazwischen stand über Jahre eine große Plastikkiste mit allen Stoffresten drin. Neue Stoffe hatte ich in ein Regalfach untergebracht, aber wenn ich Baumwolle für Taschen brauchte oder sonst irgendeinen kleineren Teil, musste ich immer in dieser Kiste herumwühlen. Unpraktisch, und davon abgesehen auch nicht wirklich hübsch anzusehen. Dann las ich irgendwo von aufgerollten Stoffresten und fand die Idee super, nur war meine Kiste viel zu tief dafür. Wenig später schlug der neue Ikea Katalog bei mir auf und ich sah diesen Rollwagen, den ich schon lange anhimmel. Was solls, dachte ich, bestellte ihn online (Versandkosten sind günstiger als all der Kram, den man sonst im Laden zufällig mitnimmt!) und hatte geplant, die Stoffeste dort aufgerollt reinzustellen, wie Stifte in einer Stiftebox. (Die Geschichte, wie ich den Karton mit dem Fahrrad von der Post abholte, ist auch erzählenswert - Interesse?) Nach dem Aufbauen war dann recht schnell klar, dass auch das unübersichtlich bleiben würde. Ein wenig Tetris hier und dort und schlussendlich ergab sich die Aufteilung, die ihr oben auf dem Bild seht. Rechts, nicht im Bild, ist mein kleiner Schreibtisch. Daneben auf dem Boden die zwei Nähkästchen, eins mit Knöpfen, eins mit all dem anderen Kleinkram und Garn. Die beiden Regalfächer beinhalten meine Stoffreste: Das obere dehnbare Stoffe, also Jersey, Sweat und Bündchen, das untere Webware. Total übersichtlich und so inspirierend! Ich habe große Lust, eine Rolle nach der anderen zu schöner Babykleidung zu vernähen. 
Der Rollwagen beherrbergt im oberen Fach meine Schnittmuster, in der Mitte die neuen Stoffe - in diesem Fall zwei größere Stücke und die drei, die ich euch oben gezeigt habe - und unten ist Folie zum Abpausen, die misslungene Latzhose und Stoffe für Probestücke. An der Seite hängt ein Bügel und eine Tasche für die kleineren Stoffreste, die ich regelmäßig einem Kindergarten zukommen lasse. Tada! Ich bin total zufrieden mit dieser neuen Organisation und habe direkt mehr Lust zu nähen. 

Wie bewahrt ihr eure Stoffreste auf? Wie sieht eure Nähecke aus? Oder müsst ihr immer alles auf- und abbauen?

Verlinkt mit Maschenfein und Fadenwechsel