15. November 2017

Von kurz- und langfristigen Projekten

Hallo ihr Lieben!

Nachdem mein Outfit in der letzten Woche so gut bei euch angekommen ist und ihr mich in den Kommentaren habt wissen lassen, dass ihr gerne eine Kombination aus bereits bekannten Teilen seht, habe ich mir für heute etwas ähnliches überlegt. Allerdings in diesem Fall eine erfrischende Mischung aus alt und neu, Garn und Stoff. So, wie es an fast allen Tagen auch an mir landet eben. 


Genau so werde ich gleich und auch morgen zur Arbeit fahren. Dabei ist der Großteil des Outfits selbst gemacht: Shirt, Weste und Tuch sowie nicht sichtbare Wollsocken. Bei dem Shirt handelt es sich um den Schnitt Agnes von Tilly and the Buttons, das Shirt habe ich hier schon einmal vorgestellt. Es ist durch die Farbe wirklich rundum einsetzbar und sehr praktisch. 


Euch noch nicht näher bekannt sind Weste und Tuch. Fangen wir mit ersterem an. Diese Weste war ein absolutes spontan Projekt und tatsächlich innerhalb von Minuten fertig. Dabei lag der Stoff eine ganze Weile in meinem Regal, gefunden hatte ich dieses Reststück bei meinem Lieblings Stoffladen hier in Münster. 70cm in der Höhe, 1,40 in der Breite. Nicht genug für einen Pullover oder so, deshalb lag er dann auch im Regal, denn was kann man sonst noch anstellen mit einem von innen so flauschigen Stoff? Eben. Tja, und dann erinnerte ich mich aus irgendeinem zufälligen Grund an eine Weste meiner Mama: Zipfelig, ohne jegliche Säume. Müsste eigentlich mit diesem Stoff auch gehen, fand ich, und nahm das Stück mit um es auf Mamas Weste aufzulegen. Die war tatsächlich auch aus einem Rechteck konstruiert und hatte zwei Löcher für die Arme, fertig. 


Ich habe also meine Schulterbreite ausmessen lassen, den Wert halbiert, mein Stoffstück in den Bruch gelegt und die Position der Armlöcher markiert. Professionell habe ich sie eine Handbreit vom oberen Ende begonnen, so war es bei dem Kaufstück auch. Die Armlöcher in den Stoff geschnitten, noch etwas geformt, fertig ist die Weste. Super schnell gemacht, das neue kuschelige Stück. Kann ich nur empfehlen für etwas größere Reste, zum Beispiel Sweat, Walk oder andere dickere Stoffe. Am besten natürlich mit Flausch innen, damit der Rücken schön warm ist. Andererseits: Aus einem dünnen, fließenden Stoff für den Sommer auch super vorstellbar. 


Objekt Nummer zwei, der Schal, ist etwa zur selben Zeit angefangen worden wie die Weste - hat aber deutlich länger gebraucht bis zur Fertigstellung. Stricken ist nunmal viel weniger effektiv als Nähen, zumindest was die schnellen Ergebnisse angeht. Dafür entspannt es mich deutlich mehr, und das Tuch erfüllt mich mit mehr Stolz als die schnell erarbeitete Weste. Eigentlich auch logisch.
Das Tuch ist nach der Anleitung Ramble von Andrea Mowry entstanden und besteht aus Ribbelwolle. Das Ribbel ist kein euch unbekanntes Tier, viel mehr habe ich hier Garn ein zweites Mal verwendet. 


Vor mehr als zwei Jahren habe ich den Foolproof Schal gestrickt und danach kaum getragen. Die Merinowolle war einfach zu sehr ausgeleiert und der Rundschal passte nicht mehr gut um meinen Hals. Ich brauche Schals ja eng anliegend, fahre ich doch an den meisten Tagen mit dem Rad von A nach B. Also habe ich den Schal aufgeribbelt, inklusive zweistündigen Niesens - Hausstauballergie funktioniert offenbar auch bei fliegenden Fusseln von Wolle. Mit dem Ramble Tuch habe ich dann mein erstes Brioche Stück gestrickt, eine Technik, die in letzter Zeit überall auftaucht. Dabei handelt es sich eigentlich um das altbekannte Patent, nur in aufregenderen Formen als Rippen. Ind iesem Fall sind es Blätter, zumindest sehe ich das so. Brioche eignet sich besonders für Tücher, da es auf beiden Seiten gut aussieht. Oben seht ihr die linke Seite, unten die rechte. Auf der einen tritt der helle Ton mehr hervor und die Krausrippen sind von der linken Seite zu sehen. Es gibt meiner Meinung nach schon eine "schönere" Seite, nämlich die mit den ordentlichen Krausrippen. Trotzdem stört es hier nicht, wenn sich mal ein Stück der linken Seite zeigt, was bei Tüchern ja unvermeidlich ist. 


Begonnen wird das Tuch mit den Krausrippen, das war nicht schwer und zog sich eine Weile, weil wenig spannend und Reihen immer länger werdend. Dann kam der Brioche Part des Tuches und ich war erstmal aufgeschmissen. So viele verrückte Abkürzungen, das Prinzip hatte ich auch erst nicht verstanden, zwei Reihen habe ich gestrickt, aber es sah nicht gut aus. Ein wenig recherchiern und nachdenken, und dann klickte es irgendwann und machte tatsächlich nach den ersten Reihen auch Spaß. 


Ähnlich wie bei Fair Isle Mustern dauerte es auch hier ewig, bis sich mir der Sinn hinter der Abfolge von Stichen erschloss. Ich mache ja immer stumpf nach Anleitung bei sowas und verstehe erst bei der xten Wiederholung, warum ich gerade mache, was ich mache, und wie sich das Gesamtbild zusammenfügt. Könnt ihr mir folgen? Jedenfalls erkannte ich irgendwann, dass sich von 4 Reihen eigentlich 3 vollkommen selbst erklären und ich die Anleitung dafür nicht benötige, schonmal eine große Erleichterung. 


Insgesamt habe ich drei Wiederholungen des Brioche Musters gestrickt. Eventuell hätte das Garn noch für eine weitere gereicht, aber das Tuch ist mir so schon groß genug. Also habe ich den Rest in Babykleidung verstrickt, natürlich ...


Das Tuch ist trotz seiner geringen Höhe sehr wärmend, weil der Brioche Teil einfach so super fluffig ist. Es fasst sich toll an und fällt sehr schön, finde ich. Auf jeden Fall ist das Garn hier deutlich besser aufgehoben als in dem Ursprungs Schal. Sollte dieses Tuch noch ausleiern, ist das nicht weiter schlimm, denn hier ist die Länge ja nicht so entscheidend. 
Das Gesamtoutfit ist farblich eher schlicht - ihr seht aber auch nicht meine bunten Wollsocken hervorblitzen auf den Bildern. Und so fühle ich mich eigentlich sehr wohl, manchmal auch ohne einen Farbklecks. Dafür kann ich mir gleich meinen roten Mantel und eine bunte Mütze überschmeißen. 


Mit einem blöden Grinsen verabschiede ich mich an dieser Stelle und hoffe, mein heutiges Outfit kann einmal mehr zeigen, wie ich meine Sachen so kombiniere.

Ich geselle mich nun zu Zuzsa auf dem Me Made Mittwoch Blog, die dort ein wunderhübsches Kleid präsentiert.



12. November 2017

Update No. 12

Hallo ihr Lieben!

Ganz zu Beginn, bevor ich mit dem eigentlichen Inhalt dieses Beitrags beginne, möchte ich mich für eure zahlreiche und umfassende Reaktion auf meinen letzten Post bedanken. Es war unglaublich bereichernd, eure Meinung zu dem Thema zu lesen und mit euch in den Dialog zu treten. Ich habe mich irre gefreut und gar nicht glauben können, wie viele von euch so umfangreich geantwortet haben. Das gibt mir ganz viel, danke!

Nun kommen wir zum Update, dem regelmäßigen Beitrag in dem ich euch über meine aktuellen Projekte informiere. In diesem Fall mit recht wenig Bildern und etwas mehr Worten. 


Neu im Schrank
 


Mein erstes Strickstück mit Brioche oder auch Patent Muster ist fertig! Es wird hier schon fleißig getragen, ist nach dem Waschen nochmal deutlich offener und weicher geworden. Natürlich folgt hier noch ein einzelner Beitrag, ich möchte nur schonmal ein wenig die Spannung steigern. Die Anleitung nennt sich Ramble Shawl, gestrickt habe ich mit Merinogarn von Drops. 

Außerdem ist noch ein Haufen Babykleidung fertig geworden. Das Nähen dieser kleinen Stücke entspannt mich gerade sehr und bereitet mir viel Freude. Ich kann ein wenig herumprobieren mit verschiedenen Techniken, Verzierungen etc und es kommt immer etwas niedliches dabei herum. Noch dazu arbeite ich mit vorhandenen Materialien, der Restevorrat schrumpft und das Konto hat kurze Pause, bevor es in den Vorweihnachts-Marathon geht. Denn wie in jedem Jahr gebe ich mir Mühe, für jeden meiner Lieben etwas selbst gemachtes herzustellen. 


Auf den Nadeln
 


Neben Socken und Pullover, die beide seit dem letzten Mal, dass ich sie gezeigt habe nicht gewachsen sind, habe ich noch etwas neues angestrickt: Eine Variation des Bodys Emil, nämlich ein Emilpullover, wenn man so wil. Die Streifen sind irre schnell gestrickt und auch hier ist das Ergebnis einfach zu süß. Danach werde ich mich dann wieder meinem Pullover widmen, denn der nächste ist imaginär schon in der Entstehung. Da ich aber nicht so wahnsinnig bin zwei Pullover gleichzeitig zu stricken, wird zuerst der dunkelblaue fertig gestellt. Den Großteil habe ich eigentlich auch schon gestrickt, meine Unlust ist vermutlich eher darin begründet, dass er so lange lag und wir uns erst wieder ein wenig eingrooven müssen bevor es Spaß macht. 


Unter der Nadel
 


Wie schon erwähnt, Babyzeug. In diesem Fall ein Strampler aus Jeansrest, die Bündchen sind ebenfalls mal übrig geblieben und auch die Paspel an der Tasche liegt hier schon ewig herum. Der Schnitt ist aus dem Buch Nähen und Stricken für die Kleinsten und nennt sich Honigkuchenpferd. Es fehlen nur noch die Knöpfe oben und ein Abschluss der offenen Kanten, dann kann auch dieser süße Anzug in die Geschenke-Kiste wandern. 

Ich bin gespannt, wann mir wieder danach ist für mich zu nähen. Grad habe ich nur vage Pläne zu zwei Stoffen, da fehlt eigentlich noch ein Aha-Moment damit ich loslege. Ich schätze als nächstes nähe ich eine ärmellose Bluse, darauf habe ich schon mehr Lust, viel Bügeln und Webware und so. 
Außerdem schiele ich ja noch auf einen bestimmten Jersey, ziehe aktuell aber immer rechtzeitig den Finger von der Maus um nicht zu bestellen. Geld sparen heißt auch, Spontankäufe zu reduzieren und ein wenig zu überlegen, bevor es dann doch in den Einkaufskorb wandert. 

So viel zu meinen aktuellen Beschäftigungen. Und bei euch so?


Wie immer verlinke ich diesen Beitrag sowohl bei Marisas Auf den Nadeln als auch bei Marias Nähplausch. 





 

8. November 2017

Ein Herbstoutfit inklusive Entschleunigung

Hallo ihr Lieben!

Für den heutigen Me Made Mittwoch habe ich mal nichts neues, wie sonst eigentlich immer, sondern eine Kombination aus Teilen, die ihr schon kennt. Und das spiegelt wunderbar wieder, womit ich mich schon länger beschäftige, wenn es um meine Handarbeiten geht.


Schon seit Beginn dieses Jahres gebe ich mir Mühe, beim Stricken und Nähen mehr acht zu geben auf mich, auf das Projekt selbst, auf den Prozess. Das alles ist mir nämlich über die Jahres des Handarbeitens und Bloggens ein wenig verloren gegangen. Der Reiz, jede Woche etwas neues zu zeigen, immer wieder etwas neues auszuprobieren, fertig zu werden damit man etwas neues anfangen kann, war und ist groß. Aber das bedeutet auch Stress und Druck: Bald ist Mittwoch, schnell noch die Fotos von der neuen Hose machen. Ohje, auf meiner Liste steht nur noch Kleinkram, jetzt aber mal gucken ob ich noch einen Pullover nähen kann in den nächsten Tagen. Ganz so schlimm war es nicht, aber es ging in die Richtung, und das gefiel mir nicht mehr.


Schließlich habe ich aus ganz anderen Gründen angefangen zu stricken und später zu nähen: Weil mir das Handarbeiten selbst so viel Freude bereitet. Weil ich mich dabei entspannen kann. Weil es wunderbar befriedigend ist, die Aneinanderreihung von Maschen zu betrachten, eine ordentliche Naht nach der anderen zu nähen, zu bügeln. Immer mal wieder innezuhalten und zu sehen, was man da mit seinen eigenen Händen erschafft. Herrlich. Dass ich es am Ende anziehen kann und es besser passt als gekaufte Kleidung: Extra Bonus. Aber: Mein Schrank ist gut gefüllt. Hier und da kann ich noch gekaufte Dinge ersetzen oder ein paar kleine Lücken füllen, aber das kann ich gemütlich angehen lassen.


Warum also lasse ich mich doch so schnell dazu verleiten, mich selbst zu stressen? Ich glaube, das liegt an der Vielfalt von Inspiration und Verlockungen. Angebote gibt es immer und überall, ob bei Schnittmustern, Stoffen oder Garnen. Denen kann ich gut widerstehen, aber trotzdem bringen sie ein Gefühl von "neu" mit sich. Ebenso wie soziale Medien, die Kleidung der Menschen die ich tagtäglich sehe, einfach alles, von dem man so geflutet wird. Möglichkeiten ohne Ende, das Hirn brennt durch und macht gedanklich eine immer länger werdende Liste. Und da ist er wieder, der Druck. Fertig werden, nächstes Projekt. 
Aber bevor es ganz so schlimm wird, mache ich mir lieber bewusst, dass ich das für mich mache. Kein Geld damit verdiene und niemandem etwas schuldig bin. 


Und, dass es völlig Schnurz ist, dass ihr sowohl Hose als auch Cardigan in diesem Beitrag schon kennt. Dafür habe ich die Hose super erfolgreich vom Sommer in den Herbst transferiert. Dieses Outfit hat mich ein paar Tage lang sehr glücklich gemacht. Und statt die Hose zu fotografieren, die noch ganz neu genäht ist, habe ich mich für dieses "alte" Outfit entschieden, um meine da oben runtergeschriebene Faselei zur Achtsamkeit zu unterstützen. Mich selbst zu bestärken, bevor ich wieder in einen kleinen Wahn gerate. 


Mit ausgelöst hat diesen aktuellen Denkprozess auch, dass ich meine Ausgaben der letzten zwei Jahre mal grob auskalkuliert habe. Denn für die nächsten Jahre steht bei uns eine große Investition an, und daher werden aktuell Pläne geschmiedet, es wird gerechnet und überlegt. Eben auch, wie viel ich für dieses Hobby ausgebe. Ich habe mir da nie wirklich drüber Gedanken gemacht, denn ich habe in beiden Bereichen, dem Nähen und dem Stricken, keinen Vorrat. Was ich habe, verarbeite ich, und dann wird neues besorgt. Und trotzdem kommt da eine nette Summe bei rum, logischerweise. Diese muss ich nicht unbedingt verringern, aber trotzdem überlege ich gerade bewusst, ob ich Teile nähe, weil ich sie brauche, oder weil es Spaß macht. Mein Schrank ist klein, wie ihr wisst, und viel geht nicht mehr rein. 


Daher widme ich mich aktuell ein wenig mehr meinen Resten, kombiniere diese zu schöner Babykleidung und entschleunige mich selbst in meinem Hobby. Damit es genau das bleiben kann: Erholsam, glücklich machend, beruhigend. 
Vielleicht sollte ich in dem Zuge auch einfach öfter meine Outfits hier zeigen, anstatt fieberhaft neues zu planen. Denn Handmade trage ich tagtäglich, die meisten Teile seht ihr hier aber nur ein einziges Mal, wenn sie brandneu sind. Irgendwie auch Quatsch. 


So, das war es mit dem nächtlichen Gedankensprudel. Es würde mich sehr interessieren, ob ihr dieses Verhalten von euch auch kennt. Produziert ihr auch mehr, als ihr braucht? Näht ihr manches Teil eher für den Blog, als für euch? Ertappt ihr euch dabei, immer schneller zu stricken und dabei auf die Wolle für euer nächstes Projekt zu schielen? Wenn ja: Stört euch das, oder gehört es einfach dazu?


Auf den Bildern trage ich übrigens neben Kaufshirt und -strumpfhose meine Chataigne Shorts von Deer and Doe, die tatsächlich in dieser Kombination super funktioniert. Da habe ich gar nicht mit gerechnet, freue mich daher umso mehr. Ich mag es, wenn Teile in allen Jahreszeiten funktionieren. Der Farbklecks obenrum ist mein Portage Cardigan von Melissa Schaschwary, heiß geliebt und gerne zu allem möglichen kombiniert. Sitzfalten und wirre Frisur gehören mit zum Outfit, versteht sich von selbst, oder? :)




4. November 2017

Kunstleder Rucksack für den Stadtbummel

Hallo ihr Lieben!

Während ich im nähen jeglicher Oberbekleidung schon recht versiert bin, ist mir neben Wäsche ein weiteres Gebiet noch sehr fremd: Das Nähen von Taschen. Bei allem anderen entstand irgendwann der Wunsch, es mal selbst auszuprobieren, gepaart mit Unzufriedenheit der in Geschäften verfügbaren Waren. Zum Beispiel zu kurze Jacken. Die endlose Suche nach einer passenden Jeans. 
Bei Taschen habe ich dieses Problem nicht: Ich bin zum einen recht minimalistisch, mir reichen meine drei Umhängetaschen eigentlich aus. Dazu ein großer Rucksack für mehr Gepäck. Außerdem zweifelte ich immer daran, ob ich (Kunst)Leder mit meiner Haushaltsnähmaschine wohl gut verarbeiten könnte. Und trotzdem habe ich mir einen Rucksack genäht. 


Wie stolz ich auf das Ergebnis bin, ist wohl an meinem Grinsen erkennbar, oder?

Inspiration - Die fand ich bei Nina auf ihrem Blog vervliest und zugenäht, denn sie hat den Rucksack dort gezeigt und erzählt, dass es gar nicht so schwer war wie gedacht. Seitdem schwebte die Idee in meinem Hinterkopf herum und ich fing an, nach Begründungen zu suchen. Rucksäcke haben gegenüber Umhängetaschen ja den großen Vorteil, dass sie weniger im Weg sind und komfortabler. Und ich besitze ja nur den großen Rucksack, für den ganz normalen Arbeitstag völlig übertrieben. Ja, und so dachte ich dann vor mich hin, und als ich dann bei meiner letzten Jacke nochmal gemerkt habe, wie viel Freude mir längerwierige Nähprojekte machen, auch wenn sie anstrengend sind, habe ich mir das Material zusammenbestellt. 


Material - Ich habe alles notwendige bei Stoff und Stil gefunden: Kunstleder, Futterstoff, Karabiner, Reißverschlüsse, D-Ringe und diese netten Schieber. Das Leder fühlt sich gut an und scheint mir für eine Tasche genau die richtige Dicke zu haben. Zusätzlich habe ich noch Vlieseline gekauft und damit alle Futterteile bebügelt, so wird es in der Anleitung empfohlen. Obwohl ich Vlieseline ja gar nicht zuschneiden mag, war das in diesem Fall gar nicht das schlimmste: Viel ätzender waren die Teile aus dem Außenstoff. Winzigste Schnitteile sollten im Stoffbruch zugeschnitten werden, was bei meinem Stoff schwer war, denn der legte sich maximal in eine Kurve, nix mit Bruch. Nadeln stecken geht ja auch nicht, also habe ich es so gut es ging versucht, war nach den drölfzig Teilen aber trotzdem erstmal entnervt und habe für den Tag Schluss gemacht.


Das Nähen  - Damit habe ich dann am nächsten Tag begonnen. Meine Hoffnung, dass zuerst das Futter zusammengefügt wird und ich darüber schonmal in Ruhe in die Anleitung reinkomme, hat sich nicht erfüllt, es ging direkt mit den Außentaschen los. Also durchatmen, Ledernadel raussuchen und ab dafür. Es klappte alles erstaundlich gut und ich war super motiviert. Alle Absteppungen habe ich mit dickem schwarzen Garn und langer Stichweite, 4 glaube ich, gemacht. Das sieht sofort professioneller aus und hält bestimmt auch länger. Ich nähte also fröhlich vor mich hin, Schritt für Schritt, eine kurze Naht nach der anderen. Bis es dann an der Reihe war, den oberen Teil zu schließen. An der Stelle gab es dann so viele Schichten an Futter, Kunstleder und Vlieseline, dass ich den Teil nicht mehr unter die Nähmaschine bekam. Mit ziehen und Zerren habe ich es versucht, zwei Nadeln zerstört und dann mit Handnaht und Fingerhut inklusive Wutanfall weitergemacht. Das rächt sich schon jetzt, die Naht oben ist nicht so stabil, dort hängt aber das ganze Gewicht. Den Vorschlag aus dem Ebook, mit einem Hammer die Lagen etwas zu plätten, habe ich versucht, hat aber nicht funktioniert. Schade! Deshalb weiß ich auch aktuell nicht, wie ich es löse. Eventuell mit einer dickeren Ledernadel und ein wenig Gewalt, mal sehen. 


Die Anleitung - Fand ich in Ordnung. Die Designerin hat in ihrem Shop noch nicht so viele Schnittmuster, deshalb vermute ich, dass sie noch nicht so erfahren ist in diesem Bereich. Schriftlich war alles gut verständlich, aber die Bilder fand ich an einigen Stellen nicht gut. Entweder war es zu weit weg um wirklich was zu erkennen, oder die Stoffe waren ungünstig gewählt. Und manche Nähte waren einfach nicht gut genäht. Alles kein Drama, aber ich habe an einigen Stellen die Bilder vergrößert und viel nachgedacht, bevor ich mich getraut habe zu nähen. Wiederum positiv finde ich die Variationen, die einem möglich sind: Drei Träger Varianten und die Möglichkeit einer zusätzlichen Tasche im Rückenteil des Rucksacks. 


Besonderheit - Was mich daran hindert, nur noch mit den bequemeren Rucksäcken rumzulaufen: Die Paranoia, dass ich nicht mitbekomme wenn ihn jemand öffnet und meine Wertsachen rausholt. Ich hab schließlich keine Augen auf dem Hinterkopf. Dafür bietet dieser Rucksack einen ganz besonderen Clou: Den Karabiner am Ende des Reißverschlusses kann man nicht nur unten an der Tasche befestigen, sondern auch oben, versteckt unter der Lasche (warum auch immer ich auf dem Bild den Karabiner am Reißverschlussfuß befestigt habe, so gehört es nicht). Somit ist der Reißverschluss verborgen und der Weg für die Langfinger deutlich beschwerlicher. Juhu!


Fazit - Der Herzmann sagte, der Rucksack sähe aus wie gekauft. Das machte mich schonmal sehr stolz. Auch von Kollegen und Freunden habe ich schon viel Zusprache bekommen. Ich bange noch um die Haltbarkeit der oberen Naht, ansonsten glaube ich aber, wird er gute Dienste Leisten. Ein bisschen getäuscht habe ich mich in der Größe. Vom Fassungsvermögen schaffen zwei meiner Handtaschen deutlich mehr, und durch die Form des Reißverschlusses lässt sich der Rucksack auch eher umständlich befüllen. Mein ursprünglicher Wunsch, an Tagen an denen ich zusätzlich zum normalen Tascheninhalt auch noch mein Mittagessen, Obst und Strickzeug einpacke den Rucksack nutzen zu können, hat sich wohl leider erledigt. Kein Weltuntergang, denn damit habe ich wohl die Berechtigung, noch einen Rucksack zu nähen. Wie schade. 


Er macht ganz schön was her, finde ich. Es erstaunt mich immer wieder, was sich aus plattem Stoff, Nadel und Faden so schaffen lässt. 

Anleitung: Delari Bag
Pullover: Handgestrickt





1. November 2017

Longcardigan in Lieblingsfarbe Grau

Hallo ihr Lieben!

In den letzten beiden Monaten habe ich bei der 12 Colors of Handmade Fashion Challenge freiwillig ausgesetzt - orange und lila sind zwei Farben, die ich überhaupt nicht schön finde, die in meinem Schrank nicht existieren. Und da ich einfarbige Stoffe den gemusterten vorziehe, ergab sich auch keine Möglichkeit die Farbe des jeweiligen Monats eher versteckt einzubringen. Das klingt jetzt als wäre es hoch dramatisch, dass ich nicht mitgemacht habe, als würde ich mich rechtfertigen. Dabei wollte ich nur eine nette Einleitung zusammenkratzen ...


Denn für den Oktober wurde aus all den schönen Farben dieser Welt Grau ausgewählt. Für manche verknüpft mit Regenwetter, zu vielen Unterschieden um es untereinander einfach kombinieren zu können. Mit kühl und eher langweilig. Für mich ist Grau der Kombipartner schlechthin, ich mag all seine Variationen, verstricke und vernähe diese Farbe super gerne.


Aus dem Stehgreif fällt mir ein hellgrauer Strickpulli ein, ein kombinierter mit grauen Ärmeln, das graue Tuch von den Bildern sowie zwei weitere gestrickte Tücher, zwei Mützen ... und so weiter. Aber da ich für den kommenden Winter sowieso noch mehr Cardigans nähen wollte, habe ich mich bei der Frage, was als nächstes grau werden soll, eben dafür entschieden. 


Der Schnitt ist der Megan Longline Cardigan, den habe ich hier schonmal in Grau gezeigt, allerdings eher anthrazit und auch deutlich kürzer. In diesem Fall wollte ich gerne die volle Länge des Stoffes ausnutzen und habe mir für die vom Schnittmuster vorgegebene Länge entschieden. Sehr ungewohnt, denn als große Frau sind ja selbst die langen Cardigans aus den Geschäften maximal bis über den Po reichend. Weil ich bei meiner letzten Version schrieb, dass die Ärmel ein klein wenig knapp wären, habe ich hier nochmal zwei Zentimeter dran gehangen. Da dieser Stoff hier aber deutlich schwerer ist und damit schneller über die Schultern abrutscht, muss ich die Zusatzlänge eventuell noch wieder kürzen. Bisher habe ich den Cardigan noch nicht im Alltag getestet.


Ich mag die zipfelige Form dieses Cardigans total gerne. Bei meiner ersten Jacke nach dem Schnitt ist das durch die Kürzung gar nicht so deutlich geworden. 
Wo ich eben vom Stoffunterschied erzählte, hätte ich auch gleich mal sagen können, was das da für ein Stoff ist: Ein Courtelle-Jersey von Stoff und Stil. Polyester und Viskose und ein wenig Elasthan sind hier miteinander kombiniert. Einen passenden, melierten Baumwoll-Jersey konnte ich leider nicht finden, den ziehe ich eigentlich vor. Aber dieser hier gefällt mir auch ziemlich gut, ist wie bereits erwähnt deutlich fester, für ein Shirt würde ich den nicht nutzen. Er fällt trotzdem schön locker und lässt sich gut verarbeiten.


Weil ich Geizhals nur 1,5 Meter Stoff bestellt habe, zugegebenermaßen zu dem Zeitpunkt noch nicht wissend, welches Schnittmuster es werden würde, eigentlich aber mehr benötigt hätte, sind die Ärmel quer zum Fadenlauf zugeschnitten worden. Ihr seht es auf dem Bild oben ganz gut, die Musterung sollte eigentlich in die selbe Richtung verlaufen wie die im restlichen Cardigan. Aber da der Jersey in beide Richtungen elastisch ist, habe ich das Risiko mal gewagt. Optisch finde ich es eigentlich sogar ganz interessant. 


Ich schätze, mit diesem Stück habe ich mir nochmal ein ziemlich gutes Basic Teil genäht, welches ich mit vielen Sachen in meinem Schrank kombinieren kann. Und gepaart mit dickem Tuch fühlt man sich darin so richtig gemütlich und warm eingepackt, genau das, was ich in der kommenden Jahreszeit so brauche. 


Praktisch, dass es heute beim Me Made Mittwoch auch um Alltagskleidung gehen soll, denn dazu zählt dieser Cardigan bestimmt.